Was ist 1880 passiert?
Im September 1880 war ein wichtiges Treffen in Mailand. Mailand ist eine Stadt in Italien.
Bei dem Treffen waren 164 Lehrer. Fast alle Lehrer konnten gut hören.
Die Lehrer haben über eine Frage abgestimmt. Die Frage war: Wie sollen gehörlose Kinder lernen?
Gehörlose Menschen können nicht hören. Sie sprechen oft mit Gebärden-Sprache. Gebärden-Sprache heißt: Man spricht mit den Händen und mit dem Gesicht.
Die meisten Lehrer haben gesagt: Gehörlose Kinder sollen nicht mit den Händen sprechen. Gehörlose Kinder sollen sprechen lernen. Gehörlose Kinder sollen von den Lippen lesen.
Was war die Folge?
Die Folge war sehr schlimm.
Über 100 Jahre lang war Gebärden-Sprache in den Schulen verboten.
Viele gehörlose Kinder durften nicht gebärden. Manchmal hat man ihnen die Hände auf den Rücken gebunden. Manchmal hat ein Lehrer auf die Hände geschlagen.
Die Kinder haben viele Stunden lang Sprechen geübt. Sie hatten weniger Zeit für andere Fächer. Zum Beispiel: Für Mathe. Für Geschichte. Für Naturwissenschaften.
Viele gehörlose Kinder konnten am Ende nur wenig lesen. Sie konnten so gut lesen wie ein Kind in der 4. Klasse. Das war nicht ihre Schuld. Sie konnten gut lernen. Aber sie durften nicht in ihrer Sprache lernen.
Auch gehörlose Lehrer hatten Probleme. Viele gehörlose Lehrer haben ihre Arbeit verloren. Denn sie konnten nicht in Lautsprache unterrichten. So gingen viele gute Lehrer für gehörlose Kinder verloren.
Wann hat sich das geändert?
Im Jahr 1960 hat ein Forscher gezeigt: Gebärden-Sprache ist eine richtige Sprache. Sie ist nicht weniger wert als andere Sprachen.
Im Jahr 2002 hat Deutschland gesagt: Die Deutsche Gebärden-Sprache ist eine richtige Sprache. Das steht in einem Gesetz.
Im Jahr 2010 haben sich Lehrer in Vancouver getroffen. Vancouver ist eine Stadt in Kanada. Die Lehrer haben gesagt: Die Entscheidung von 1880 war falsch. Sie haben sich bei den gehörlosen Menschen entschuldigt.
Was hat das mit Arbeit zu tun?
Heute baut niemand mehr Schulen wie 1880. Aber viele Firmen bauen ihre Bewerbungs-Wege so:
• Die Chefs sind hörend.
• Die Chefs können sehen.
• Die Chefs sind nicht behindert.
Diese Chefs entscheiden: Wie sollen sich Menschen bewerben? Welche Tests gibt es? Wie sind die Gespräche?
Niemand fragt: Geht das auch für jemanden, der nicht hört? Geht das auch für jemanden, der nicht sieht?
Dann passiert das Gleiche wie 1880. Eine Mehrheit macht die Regeln. Eine Minderheit kann nicht mit-machen.
Zum Beispiel:
• Videos in Stellen-Anzeigen haben keine Unter-Titel.
• Bewerbungs-Formulare kann ein Vorlese-Programm nicht lesen.
• Bei Bewerbungs-Gesprächen gibt es keine Dolmetscher für Gebärden-Sprache.
• Manche Tests sind sehr schwer für Menschen mit Gebärden-Sprache als erste Sprache.
Wie viele Menschen sind betroffen?
In Deutschland leben 7.900.000 Menschen mit Schwer-Behinderung. Das sind sehr viele Menschen. Etwa 80.000 davon sprechen Deutsche Gebärden-Sprache als erste Sprache.
Im Jahr 2024 hatten 10 von 100 schwerbehinderten Menschen keine Arbeit. Das ist fast doppelt so viel wie bei allen Menschen zusammen.
Was kann man besser machen?
Du kannst deine Bewerbungs-Wege anders bauen.
So geht das:
• Frag die Menschen, die du erreichen willst.
• Mach jeden Schritt gut nutzbar.
• Schreib auf deiner Internet-Seite, wie Menschen Hilfe bekommen.
• Nimm auch Videos in Gebärden-Sprache an.
• Bau alles auf eine Internet-Seite. Nicht auf 3 oder 4 Seiten.
Das hilft nicht nur gehörlosen Menschen. Es hilft allen.
Klare Sprache hilft Menschen mit Gebärden-Sprache. Klare Sprache hilft Menschen, die Deutsch lernen. Klare Sprache hilft allen Menschen.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Vielleicht kennst du Bord-Stein-Absenkungen. Das sind die niedrigen Stellen am Bord-Stein. Da kann man mit dem Roll-Stuhl rüber-fahren.
Bord-Stein-Absenkungen wurden für Menschen im Roll-Stuhl gebaut. Heute nutzen sie alle Menschen.
Zum Beispiel:
• Eltern mit Kinder-Wagen.
• Menschen mit Koffern.
• Liefer-Dienste mit Wagen.
Genauso ist es bei der Arbeit. Wenn ein Bewerbungs-Weg gut für gehörlose Menschen ist, dann ist er gut für viele andere Menschen auch.
Kaoba hilft dir
Kaoba ist eine Internet-Plattform. Kaoba macht Bewerben einfacher. Kaoba ist für alle Menschen gemacht.
Bei Kaoba gibt es nur eine Internet-Seite zum Bewerben. Du musst dich nicht bei vielen Seiten anmelden.
Bei Kaoba gibt es klare Schritte. Du weißt immer, was als Nächstes kommt.
Bei Kaoba gibt es Platz für deine Geschichte. Auch wenn dein Weg nicht der typische Weg ist.
Schau dir Kaoba an:
• Für Bewerber: kaoba.de/talente
• Für Firmen: kaoba.de/arbeitgeber
• Für Schulen: kaoba.de/schulen
Sprache ist kein Problem. Sprache ist Teil vom System. Inklusion auch.


