Stell dir die Stadt Paris vor. Vor über 100 Jahren. Im Jahr 1900.
Damals war Wissenschaft sehr wichtig. Aber Wissenschaft war vor allem für Männer.
Eine junge Frau kommt nach Paris. Sie heißt Marie Curie. Sie kommt aus Polen.
Marie will forschen. Sie will die Welt verstehen.
Aber die Welt sagt ihr: Du bist hier nicht vorgesehen.
Marie hat es trotzdem versucht
Marie lebt in Paris. Sie hat wenig Geld. Sie friert oft. Sie lernt sehr viel.
Sie betritt Räume an der Uni. Dort sind fast nur Männer.
Niemand sagt laut: Du darfst nicht hier sein.
Aber das System ist nicht für sie gemacht. Sie muss viel mehr tun als andere. Nur um dabei sein zu dürfen.
Eine große Entdeckung
Marie forscht an einem besonderen Material. Es heißt Pechblende. Pechblende ist ein Gestein.
Die Arbeit ist sehr schwer. Marie muss Tonnen von Material bearbeiten. Tag für Tag. Monat für Monat.
Am Ende entdeckt sie 2 neue Elemente:
· Polonium
· Radium
Diese Entdeckungen verändern die Wissenschaft. Und die Medizin.
Marie bekommt 2 Nobel-Preise. Der Nobel-Preis ist die höchste Auszeichnung in der Wissenschaft.
Die falsche Lektion
Viele Menschen erzählen die Geschichte von Marie so:
Schau, sie hat es geschafft. Trotz aller Hindernisse. Man muss nur hart genug arbeiten.
Das klingt gut. Aber es ist die falsche Lektion.
Denn Marie musste viel mehr arbeiten als andere. Nicht weil sie weniger konnte. Sondern weil das System nicht für sie gemacht war.
Sie musste nicht nur forschen. Sie musste auch gegen Hindernisse kämpfen.
Das Problem mit Helden-Geschichten
Jemand schafft es trotz Hindernissen. Dann sagen viele: Siehst du? Es geht doch.
Aber was ist mit den Menschen, die es nicht geschafft haben?
Das heißt nicht, dass sie weniger Talent hatten. Sondern dass die Hindernisse zu groß waren.
In Unternehmen passiert das Gleiche.
Menschen schaffen es trotz:
· Behinderung
· Krankheit
· schwieriger Herkunft
· anderer Sprache
Dann sagt man: Toll, die haben es geschafft.
Aber die Frage sollte sein: Warum war der Weg so schwer?
Was das für die Arbeits-Welt bedeutet
In vielen Unternehmen gibt es Hindernisse.
Zum Beispiel:
· Bewerbungs-Abläufe, die nicht barriere-frei sind
· Arbeits-Plätze, die nur für einen Typ Mensch gemacht sind
· Regeln, die nicht alle Menschen einschließen
Manche Menschen schaffen es trotzdem. Aber das kostet sehr viel Kraft.
Das ist nicht fair. Und es ist auch nicht klug.
Denn Unternehmen verlieren so viele Talente.
Was Inklusion wirklich bedeutet
Inklusion bedeutet nicht: Wir sammeln Helden-Geschichten.
Inklusion bedeutet: Wir machen Helden-Geschichten unnötig.
Niemand soll beweisen müssen, dass er es trotzdem kann.
Ein gutes System macht Leistung möglich. Ohne dass man vorher Hindernisse besiegen muss.
Die richtige Frage
Die Frage ist nicht: Wer hat es trotz Hindernissen geschafft?
Die Frage ist: Warum gab es Hindernisse, die jemand besiegen musste?
Talent sollte kein Held sein müssen. Damit es sichtbar wird.


