Bücher an Ketten
Stell dir eine Bibliothek vor.
Vor über 600 Jahren.
In einem Kloster.
Die Bücher waren sehr wertvoll.
Deshalb waren sie mit Ketten fest-gemacht.
Nur bestimmte Menschen durften die Bücher lesen:
· Mönche
· Gelehrte
· Reiche Menschen
Das Wissen war da.
Aber nur wenige hatten Zugang.
Gutenberg verändert alles
Im Jahr 1450 lebt Johannes Gutenberg in Mainz.
Er erfindet den Buch-Druck.
Das bedeutet:
Er baut eine Maschine.
Die Maschine kann Bücher drucken.
Vorher musste man jedes Buch mit der Hand schreiben.
Das dauerte 2 bis 3 Jahre für ein Buch.
Mit Gutenbergs Maschine geht es viel schneller.
50 Jahre später gibt es 20 Millionen gedruckte Bücher in Europa.
Die Bücher werden viel billiger.
Jetzt können viel mehr Menschen lesen und lernen.
Gutenberg hat kein neues Wissen erfunden. Er hat den Zugang zum Wissen verändert.
Bewerbungen heute
Heute gibt es ein ähnliches Problem.
Aber nicht bei Büchern.
Sondern bei Bewerbungen.
Viele Bewerbungs-Prozesse sind schwierig:
· Die Internet-Seiten funktionieren nicht mit Hilfs-Programmen
· Jeder Arbeit-Geber hat ein anderes System
· Man bekommt keine Rück-Meldung
· Die Formulare brechen einfach ab
Das heißt:
Auf dem Papier können sich alle bewerben.
Aber in der Realität kommen viele nicht durch.
Zahlen aus Deutschland
In Deutschland leben 7 Millionen 900 Tausend Menschen mit schwerer Behinderung.
Diese Menschen sind fast doppelt so oft arbeitslos.
Das liegt nicht an fehlenden Fähigkeiten.
Das liegt am schwierigen Zugang.
Über 45 Tausend Arbeit-Geber stellen zu wenige Menschen mit Behinderung ein.
Obwohl es ein Gesetz dafür gibt.
Was wir von Gutenberg lernen können
Gutenberg hat nicht gesagt:
„Die Menschen müssen besser lesen lernen.”
Er hat gesagt:
„Wir brauchen ein besseres System.”
Genauso ist es bei Bewerbungen.
Die Lösung ist nicht:
Menschen mit Behinderung müssen sich mehr anstrengen.
Die Lösung ist:
Der Bewerbungs-Prozess muss besser gebaut sein.
Das bedeutet:
· Ein einheitlicher Ablauf für alle
· Formulare, die für alle funktionieren
· Klare Schritte und Rück-Meldungen
· Keine Überraschungen
Zugang für alle
Vor Gutenberg war Lesen ein Vorrecht für wenige.
Nach Gutenberg wurde Bildung für alle möglich.
Arbeit ist ein Grund-Recht.
Das steht in der UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
Aber für viele Menschen ist Arbeit immer noch schwer zu erreichen.
Das muss sich ändern.
Zugang ist kein Zusatz. Zugang ist die Grundlage.
Wie Gutenbergs Druck-Maschine.
Sie hat nicht bessere Bücher gemacht.
Sie hat ein besseres System gebaut.


